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Kreuzstift und Kriche Schänis um 1900.

museum button 2 Kreuzstift

Das Kloster von Schänis stammt aus dem 9. Jahrhundert und bietet bis zu seiner Auflösung im Jahr 1811 adligen Damen ein Zuhause. Es übersteht verschiedene kriegerische Auseinandersetzungen und wird nach dem Grossbrand von 1610 wieder aufgebaut. Heute dienen die Gebäulichkeiten als Zuhause für betagte und pflegebedürftige Menschen.

Vom Bau des Damenstifts 814 bis zur Erteilung königlichen Schutzes 1045

Laut Bericht eines Mönchs aus dem Kloster Reichenau gilt Graf Hunfried von Churrätien als Gründer des Klosters Schänis. Auf einer Gesandtschaftsreise nimmt er für Kaiser Karl den Grossen Reliquien, ein Edelsteinbesetztes Goldkreuz mit einer Kreuzpartikel sowie ein Onyxgefäss mit dem Blut Christi entgegen. Um diese würdig aufbewahren zu können sowie als Belohnung für die überstandenen Entbehrungen, bittet er den Kaiser, ein Kloster erbauen zu dürfen. So gründet er im Jahr 814 das Kloster Schänis. Später übernimmt Graf Ulrich I. von Lenzburg das Kloster von den Erben Hunfrieds. In der Folge verleiht er dem Damenstift durch Schenkungen ein solides wirtschaftliches Fundament. Im Jahr 1045 gewährt König Heinrich III. dem Damenstift königlichen Schutz und Immunität sowie freie Äbtissinnenwahl. Der freiweltliche Geist jener Zeit widerspricht dem kirchlichen Sinn. Trotzdem scheitert jeder Versuch einer Reform, die Regeln bleiben locker. So müssen die Schwestern beispielsweise kein Gelübde ablegen. Und im Kloster werden nur adlige Damen aufgenommen. Das Verhältnis der Schänner zu den adligen Stiftsdamen ist nicht immer ungetrübt. Dies hat vor allem mit der Zehntenlast zu tun, der Steuer von zehn Prozent in Form von Geld und Naturalien an eine geistliche oder weltliche Institution. Hingegen übernehmen die Stiftsdamen in Zeiten der Not karitative Aufgaben, die sonst niemand übernommen hätte. Dies endet für das Kloster mehrfach fast im finanziellen Ruin.

Vom Grossbrand 1610 bis zur Auflösung des Damenstifts 1811

Beim Brand von 1610 brennen das Stiftsgebäude sowie die Kirche nieder. Schirmbriefe, Privilegien und Statuten werden vernichtet. Das Kloster steht am Rande des Ruins. In den folgenden Jahrhunderten kämpfen die verschiedenen Äbtissinnen für die Rechte des Damenstifts – mit unterschiedlichem Erfolg. 1782 wird das Stiftsgebäude im Rokoko-Stil renoviert. Als 1798 die Revolution in Schänis ausbricht und sich österreichische und französische Truppen bekämpfen, ist die Existenz des Damenstifts erneut in Gefahr. Napoleons Mediationsverfassung bildet damals die verfassungsrechtliche Grundlage der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Kantone. Sie erlaubt keine Lehnsherrlichkeiten mehr und setzt das Kloster damit der Willkür der Behörden aus. Dies bedeutet das Ende des Damenstifts. 1811 beschliesst der Grosse Rat von St. Gallen, das Damenstift aufzuheben und die Vermögensgegenstände zu versteigern. Xaver Gmür aus Schänis erwirbt die Gebäude, Kirche und Kapelle gehen an die Pfarrgemeinde. Die Frauen, die bis dahin das Kloster bewohnt haben, heiraten oder ziehen zu Verwandten. Einige kommen in anderen Klöstern unter. Das Gebäude bleibt bis ein paar Jahre nach dem ersten Weltkrieg im Besitz der Familie Gmür. Ab den 1920-er-Jahren führen die Steyler Schwestern darin ein Alters- und Erholungsheim. 1997 kauft es die Kurt di Gallo Holding AG und führt es seither als Alters- und Pflegezentrum Kreuzstift.

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Bild des Damenstifts in Schänis von Hans Konrad Escher; Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv